Spanisch lernen in Spanien

Ongi etorri in San Sebastian!

Sonnenuntergang in San Sebastian Die Auswahl der Stadt San Sebastian lässt sich schnell begründen: Ich nahm an dem einjährigen Master-Programm "Euroculture" teil und studierte das erste der beiden Semester in Göttingen. Für das zweite Semester musste ich an eine der ausländischen Partneruniversitäten wechseln. Da ich Spanisch lernen wollte, war dies demzufolge an der spanischen Partneruniversität, die Universidad de Deusto in San Sebastian.

Die Anreise nach San Sebastian ist leider eine etwas aufwendige Sache. Die nächsten Flughäfen sind Bilbao (eine Stunde) oder Santander (drei Stunden). Die Busse in Spanien sind jedoch sehr komfortabel und vergleichsweise günstig.

Wellen in San Sebastian Die Uni war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. San Sebastian ist nur die Außenstelle der eigentlichen Universität in Bilbao. Dies hatte jedoch den großen Vorteil, dass die Uni sehr klein war und die Studenten zu den Professoren ein doch recht persönliches Verhältnis aufbauen konnten. So etwas wie "Sprechstunden" gab es deshalb nicht, nur persönliche Termine oder Glück, wenn man mal einfach so am Büro vorbeischaute und der Dozent gerade zu sprechen war.

Der Nachteil der kleinen Außenstelle zeigte sich dann in der "Bibliothek": ein Raum mit vielleicht ein paar Hundert Büchern. Gerade durch unsere Recherchen für die Master-Arbeiten mussten wir deshalb hin und wieder nach Bilbao fahren und einen "Kopier-Tag" an der Hauptbibliothek einlegen.

Surf-Kurs in San Sebastian Die Kurse an der Uni waren nicht sonderlich anspruchsvoll und die Professoren immer fünf Minuten zu spät. Die geringen Ansprüche sind jedoch nicht immer von Vorteil: die Dozenten scheinen ihre Noten am Ende äußerst willkürlich zu vergeben.

Obwohl sich meine Spanisch-Kenntnisse in den sieben Monaten in San Sebastian deutlich verbessert haben, hatte ich mir mehr erhofft. Doch das ist sicherlich die berühmte Erasmus-Falle: Nur ausländische Mitbewohner, fast ausschließlich internationale Studenten in meinem Programm und auch sonst schien es relativ schwierig, mit Einheimischen in Kontakt zu treten.

Besuch der Alhambra in Granada Dafür hatte San Sebastian wirklich viel zu bieten. Am Ende wohnte ich direkt am Strand und kaufte mir daher zusammen mit einer Freundin ein Surfboard. Die Stadt ist vom Surf-Flair geprägt: Man sieht es an der Mode auf den Straßen, am Strand läuft Jack-Johnson-Musik und der Surferstrand "Zurriola" ist gespickt mit Surfern aus aller Welt.

Volleyballspielen am Strand nach der Uni, danach zusammen im Meer baden und anschließend gemeinsames Abendessen (natürlich, Pasta...) war eine unserer typischen Abendgestaltungen. Gelegentlich kam auch die ein oder andere Strandparty hinzu. Die Höhepunkte waren jedoch ein kostenloses Konzert von Bob Marley am Strand mit Zehntausenden Zuschauern, ein mehrtägiges Jazz-Festival (größtenteils auch am Strand) sowie die "Semana Grande". Übersetzt heißt das so viel wie "Große Woche" und ist so eine Art Stadtfest. Die ganze Woche über wird ein internationaler Feuerwerkswettbewerb ausgetragen, das heißt, jeden Abend gab es 15 Minuten lang ein gigantisches Feuerwerk über der Stadt zu bewundern - jeden Tag ausgetragen von einer anderen Nation.

Eine Besonderheit muss man noch erwähnen, wenn man über Donostia, das ist der baskische Name der Stadt, spricht: Pintxos! Was ist das? Nun, alle kennen Tapas, die kleinen Appetithäppchen, die in Bars zu den Getränken gereicht werden. Pintxos sind die baskische Variante der Tapas und weltberühmt. Am frühen Nachmittag und späten Abend kann man sie fast überall bekommen und mit baskischem Sidre genießen.

Dafür eignet sich die Altstadt (Parte Vieja) ganz besonders gut. Hier gibt es über 200 Bars auf engstem Raum. Die Gassen sind schmal, es ist laut und zuweilen sieht man einen Protestmarsch vorbeiziehen. Denn die Basken protestieren gerne - für oder gegen die unterschiedlichsten Sachen.

Wobei wir beim Politischen wären. Als Tourist oder Austauschstudent braucht man generell keine Angst vor Terrorismus zu haben. Während meiner Zeit im Baskenland wurde gerade ein Waffenstillstand verkündet, was die Situation natürlich besonders entspannt hat. Aber auch sonst lässt sich sagen, dass sich die ETA ihre Opfer relativ gezielt aussucht. Die Tatsache, dass es seit 2003 keine Todesopfer mehr durch die Terrororganisation mehr gab, interpretieren einige als Abrücken von einer Strategie, die Tötungen beabsichtigt. Wir Erasmus-Studenten haben die politische Spannung jedoch nur auf Graffiti-Wänden und Plakaten wahrnehmen können.

Volleyball spielen am Strand in San Sebastian Wohnungen in San Sebastian sind vergleichsweise teuer. Ein großer Witz ist vor allem, dass alle Studenten zum Ende der Vorlesungszeit (Ende Juni) aus ihren Wohnungen rausgeschmissen wurden, da diese dann wahrscheinlich doppelt so teuer an Touristen vermietet werden können. Das gab mir jedoch die Chance, am Ende direkt am Strand zu wohnen. Doch alles Gute ist nie beisammen: Leider war diese Wohnung von Kakerlaken befallen...

Von Katja Wolff



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