Tapas, Paella und ewiger Sonnenschein. Das sind nur drei der vielen Gründe in Spanien ein Auslandssemester zu verbringen. Und spätestens seit dem Film „L’Auberge Espagnole“ weiß jeder – die Erasmuszeit ist die Zeit des Lebens. Doch natürlich stecken viel mehr Gründe dahinter für ein halbes Jahr die Koffer zu packen und aufzubrechen. Bei mir war es die Suche nach etwas Neuem und die Faszination der spanischen Sprache, die mich dazu gebracht haben mich beim ERASMUS-Programm, eine Initiative der EU-Kommission und des DAAD, zu bewerben.
Mittlerweile ist allgemein bekannt, dass Englischkenntnisse in vielen Unternehmen vorausgesetzt werden und eine zweite Fremdsprache erwünscht ist. Um also meinen Lebenslauf aufzupolieren und in der Hoffnung viele neue Erfahrungen zu sammeln ging es für ein Semester nach Valencia an der Mittelmeerküste Spaniens.
Nach vielen ausgefüllten Formularen und organisatorischen Barrieren war es endlich soweit – ich saß im Flugzeug nach Valencia. Vor Ort hieß es dann erst einmal „Wohnungssuche“, was sich als schwieriger erwies als gedacht. Wenige freie Zimmer und viele Neuankömmlinge aus ganz Europa führten dazu, dass man schon nach kurzer Zeit bekannte Gesichter bei Wohnungsbesichtigungen wiedertraf. Aber es war auch beruhigend zu wissen, dass alle die gleichen Probleme hatten wie man selbst. Seitenlange Listen mit Interessenten für WG-Zimmer sind in Spanien genauso selbstverständlich wie überteuerte Preise für winzige Wohnräume. Generell gilt es, seine Ansprüche aus Deutschland herunterzuschrauben. Mit etwas Geduld hat man dann schnell etwas gefunden. Und wenn man auch noch einen Funken Glück hat, bekommt man ein Zimmer in einer spanisch-sprechenden WG. Denn bekanntermaßen lernt man die Sprache am Besten, wenn man gezwungen wird sie zu sprechen. Ich selber wohnte mit einer Mexikanerin und einem Finnen zusammen. Im Haus herrschte immer Spanischpflicht, was mir anfangs ziemliche Probleme bereitete, da meine Kenntnisse eher gering waren. Aber heute kann ich es nur jedem ans Herz legen, über den eigenen Schatten zu springen und sich selbst etwas zuzutrauen. Es lohnt sich.
Das Universitätsleben in Spanien ist schon sehr anders als in Deutschland. Die Kurswahl war das reinste Chaos und die Sprachbarrieren machten es mir nicht einfacher. Aber als das erst gemeistert war, konnte ich mich in die Kurse stürzen. Ich hatte schnell gelernt, dass Pünktlichkeit an spanischen Universitäten eher klein geschrieben wird. Nachdem ich einige Male zum Campus gehetzt war, weil ich morgens mal wieder etwas länger brauchte, war ich immer noch die Erste im Kursraum. Denn in Spanien kommen selbst die Professoren zu spät. Für die Kurse selbst musste ich zwar viel Zeit aufwenden, aber das Bestehen war in der Regel kein Problem, da die inhaltlichen Anforderungen oft nicht so hoch waren wie in Deutschland.
Die Uni in allen Ehren – doch manchmal war es einfach schwierig zu lernen, wenn von draußen die Sonne lockte. Die Stadt Valencia liegt direkt am Meer und jeder ERASMUS-Student weiß, dass sich Bücher auch an den Strand mitnehmen lassen. Und während ich nach der Uni den Tag am Meer verbrachte und vielleicht auch mal über das America’s Cup Gelände lief, um mir die Reichen und Schönen aus der ganzen Welt anzuschauen, ging es nachts in die unzähligen Bars und Clubs, die Valencia zu bieten hat. Von ERASMUS-Kneipe bis Nachtclub ist für jeden etwas dabei, für die unterschiedlichsten Musiktypen und für jede Preisklasse. Im Barrio Carmen, der Altstadt, machte es daher auch einfach Spaß herumzuschlendern und bei unzähligen offiziellen Festen und Feiern gab es immer etwas Neues zu erleben. Jeder, der mal in Valencia war, hat schon von den Fallas gehört, dem bekanntesten Stadtfest im März jeden Jahres zu dem die Touristen sogar aus Südamerika anreisen. Menschenmassen, Feuerwerke (nachts und tagsüber), brennende Pappmascheefiguren und ein Riesenlärm beschreiben das Fest am Besten.
Kurz vor der Heimkehr wurde einem bewusst, wie sehr man die spanischen Eigenheiten, wie z.B. mittags Siesta zu machen oder erst um 11 Uhr abends zu essen, vermissen würde. Wenn man im Spanischen immer sicherer wurde, man sich an seine Mitbewohner und neuen Freunde gewöhnt hatte und es genoss jeden Tag mit der Sonne aufzustehen bekam man die Gewissheit einige Monate in seinem Leben etwas gewagt zu haben. Es wurde einem langsam aber sicher bewusst, dass die Zeit schon fast wieder vorbei war. Und dann hört man den spanischen Song, der wochenlang im Radio rauf und runter lief und der einen immer an die Zeit in Spanien erinnern wird und denkt: Auch wenn niemand genau weiß wer Herr Erasmus war, die nach ihm benannte Initiative bietet eine Gelegenheit die jeder, der gerne etwas Neues erleben möchte und schon immer eine andere Sprache lernen wollte, nutzen sollte. Es gibt also keinen Grund (weder steigende Studiengebühren noch eine steigende Semesterzahl) sich davon abbringen zu lassen. Denn was man in seiner ERASMUS-Zeit lernt ist unbezahlbar. Zum Schluss noch eine Gegenfrage an alle, die immer noch grübeln und zweifeln: Wenn nicht jetzt, wann dann? In diesem Sinne – Hasta luego!
Interessierte erkundigen sich einfach im jeweiligen Auslandsamt ihrer Universität über das ERASMUS-Programm.
Von Sarah Czuratis