Das spanische Hochschulsystem ist mit einem derzeitigen Studentenboom von circa 1,4 Millionen Studenten an seiner Belastungsgrenze, denn in den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der Studenten verdoppelt. In ganz Spanien gibt es nur etwa 70 Universitäten, davon sind 48 staatliche Hochschulen. An den staatlichen Universitäten studierten 2005/2006 jedoch laut spanischem Erziehungsministerium 90 Prozent der Studierenden, also 1,3 Millionen Studierende. Obwohl die spanischen Unis dem Erziehungsministerium unterstehen, werden sie häufig - besonders in den Regionen mit weit gehenden Autonomie-Rechten - von den autonomen Regionen selbst verwaltet. In Katalonien hat dieser "Regionalstolz" auch zur Folge, dass Vorlesungen meist auf Katalanisch, also in der Regionalsprache, stattfinden. Wer also beispielsweise in Barcelona studieren möchte, sollte vielleicht erst ein wenig Katalanisch lernen.
Das staatliche Erziehungsministerium regelt jedoch, welche Studienabschlüsse in Spanien erlangt werden können, da diese landesweit einheitlich sein sollen. So werden gleichzeitig auch die Zulassungsvoraussetzungen für die Studenten sowie die Einstellungsanforderungen an mögliche Professoren festgelegt.
Die Finanzierung der einzelnen Unis wiederum erfolgt hauptsächlich durch die autonomen Regionen selbst. Die Studiengebühren, die in Spanien üblich sind, machen ein Fünftel in den Haushalten der Hochschulen aus, der Rest wird möglichst durch Drittmittel finanziert.
Die spanische Tageszeitung El Mundo veröffentlicht seit 2001 jährlich ein Hochschulranking. Hierbei werden sowohl die privaten Universitäten als auch die staatlichen Hochschulen in einem Gesamtranking erfasst. In den letzten Jahren dominierten dabei vor allem Universitäten aus Madrid und Barcelona. El Mundo legt dabei auch seine 25 Kriterien für die Erstellung des Rankings vor, um eine Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse sicher stellen zu können.
Da jedoch der Gesamtplatz einer einzelnen Hochschule im Prinzip gar nichts über die Qualität der Uni in einzelnen Fächern aussagt, stellt El Mundo ein weiteres, ganz besonders hilfreiches Ranking auf: Für 50 verschiedene Studiengänge werden die je 5 besten Universitäten ermittelt und mit Kurzbeschreibung aufgelistet (auf der Website gibt es oben links eine Suchoption "LISTADO DE CARRERAS", bei der jeder seine Studienrichtung heraussuchen und so die besten Unis für die entsprechende Fachrichtung finden kann).
Fachhochschule und Hochschule in einemIn Spanien gibt es keine Unterscheidung zwischen Hoch- und Fachhochschule. Hier werden nur die Fächer mit ihren entsprechenden Abschlüssen unterschieden, so dass auch hier nach drei Jahren ein berufsqualifizierender Abschluss möglich ist.
Das Studium wird in Spanien nicht in Semestern, sondern in Jahren gezählt. Das akademische Jahr beginnt im September/Oktober. Nach dem ersten Halbjahrgibt es Prüfungen im Januar/Februar, nach dem zweiten im Juni. Zu Ostern gibt es meist eine oder zwei Wochen frei (Semana Santa).
Die spanische Uni ist oft noch relativ verschult. Das heißt: viele vorlesungsartige Seminare, Klausuren mit viel Stoff, wenig Referate und Hausarbeiten. Auch Wahlmöglichkeiten fallen nicht allzu üppig aus. Trotzdem werden vier Kurskategorien unterschieden: Stamminhalte (asignaturas troncales), die von der Uni gestellt werden müssen, damit sie den entsprechenden Studienabschluss anbieten kann und dieser vom spanischen Erziehungsministerium anerkannt wird. Obligatorische Inhalte werden von der Uni festgelegt, Wahlinhalte können - aber müssen nicht - von den Studenten belegt werden. Ein Zehntel der Studienleistungen insgesamt kann vom Studenten aus allen Kursangeboten der Uni (oder auch einer entsprechenden Partneruni) ausgesucht werden.
Zumeist müssen in Spanien für den Uni-Abschluss keine umfangreichen Abschlussarbeiten verfasst werden. Größere wissenschaftliche Arbeiten werden meist nur von Doktoranden verlangt. Außerdem gibt es in Spanien - im Gegensatz zu Deutschland - keine Abschlussprüfung am Ende des Studiums. Der Abschluss wird durch das Sammeln von Studienpunkten (wie beispielsweise ECTS, die europaweit eingeführt werden, um Studienleistungen vergleichbar zu machen) erreicht. Am Ende eines jeden Studienjahres werden von den Studenten und Studentinnen Prüfungen abgelegt, deren Noten am Ende die Gesamtnote des Studiums ergeben. Die Studienpunkte, die in Spanien vergeben werden, müssen jedoch nicht zwangsläufig mit den ECTS übereinstimmen. Wer also an ein Auslandsjahr oder -semester in Spanien denkt, sollte sich genau darüber informieren, um die in Spanien absolvierten Kurse später auch von der Heimatuni anerkannt zu bekommen.
Die spanische NotenskalaDie spanischen Noten gehen nicht wie in Deutschland von 1 bis 6 sondern von 1 bis 10. In Spanien ist die 1 jedoch die schlechteste Note. Alles unter 5 heißt nicht bestanden. 5 und 6 bedeuten, dass man den Kurs bestanden oder die absoluten Mindestanforderungen erfüllt hat. 7 und 8 stellen den Durchschnitt dar und und bedeuten, dass gute bis befriedigende Leistungen erbracht wurden. Eine sehr gute Leistung ist eine 9, eine 10 wird nur höchst selten vergeben, denn durch eine 10 bekommt der Student einen Gratiskurs, für den er keine Studiengebühren zu entrichten hat.
StudiendauerEs besteht einerseits die Möglichkeit, eine Art Fachhoschschulstudium mit berufsqualifizierendem Abschluss zu beginnen, das nach zwei oder drei Jahren abgeschlossen ist und mit dem auch nicht weiter studiert werden kann. Alle anderen Studiengänge gehen mit dem Hauptstudium weiter und enden nach der typischen Studienlänge von vier bis sechs Jahren.
Die Licenciatura erhält in Spanien, wer ein klassisches Studium von vier bis sechs Jahren absolviert hat. Für eine wissenschaftliche Karriere reicht das jedoch noch nicht. Dafür muss man promovieren, eine Abschlussarbeit verfassen und schließlich die Licenciatura con Grado erlangen.
Für spezielle Studiengänge gibt es auch andere Titel für den erfolgreichen Studienabschluss. Ein Architekt kann sich nach fünf oder sechs Jahren Uni beispielsweise Arquitécto Superior oder ein Ingenieur Ingeniero Superior nennen. Diese Titel können meist jedoch nur an speziellen Unis verliehen werden.
Mit der Einführung der europaweit anerkannten Bachelor- und Masterstudiengänge stehen die Spanier noch ganz am Anfang. Erst 2005 wurde die gesetzliche Grundlage für die Einführung dieser Programme verabschiedet. Vereinzelt werden sie jedoch schon angeboten.
In Spanien werden Studiengebühren entrichtet. Im internationalen Vergleich sind diese jedoch eher niedrig. Ein Student in Spanien beteiligt sich durch die Abagaben an etwa 20 Prozent seiner Studienkosten. Die Studiengebühren variieren je nach Universität und Fach - Geisteswissenschaften sind durch geringere (Material-)Kosten billiger als beispielsweise Ingenieurwissenschaften. An privaten Hochschulen können die Kosten jedoch bedeutend höher ausfallen. Derzeit liegen die Studiengebühren an öffentlichen Universitäten zwischen 500 Euro und 850 Euro pro Jahr. (stand: November 2006)